Die Welt vom 15. Dezember 1997

Neue Kritik an Bundeswehr
Neonazi Roeder hat in Hamburger Führungsakademie übernachtet

gü. Bonn - Führende Politiker aller Parteien, darunter Altbundespräsident Richard von Weizsäcker, der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt und drei frühere Verteidigungsminister von SPD und CDU haben die Bundeswehr gegen Pauschalvorwürfe in Schutz genommen. Bundesverteidigungsminister Volker Rühe sagte dem "Spiegel", er werde für rückhaltlose Aufklärung sorgen und die Verantwortlichen für die Vorkommnisse zur Rechenschaft ziehen. Er verwahre sich aber dagegen, die Bundeswehr "unter Generalverdacht" zu stellen. Auch wenn jetzt viele Einzelfälle an die Oberfläche kämen, bleibe er dabei, daß die Bundeswehr "keinesfalls braun durchseucht" sei.

Unterdessen wurde in den Magazinen "Focus" und "Der Spiegel" über angebliche weitere Vorgänge in der Truppe mit rechtsextremistischem Hintergrund berichtet, die vom Bundesverteidigungsministerium allerdings weitgehend dementiert wurden.

Nach Informationen von "Spiegel TV" hat der Neonazi Manfred Roeder im Anschluß an seinen Vortrag in der Führungsakademie im Januar 1995 nicht nur an einem Festessen teilgenommen, sondern auf Einladung der Akademie auch in deren Gästehaus übernachtet. Roeder sei von einem Offizier der Eliteschule in einem Bundeswehrfahrzeug abgeholt und - nach der Übernachtung - auf dem Nachhauseweg eskortiert worden. Die Hardthöhe hat die Übernachtung bestätigt.