SZ vom 13.12.1997

Glos schrieb Grußwort für Rechtsextreme

sti.

München (Eigener Bericht) – Eine Grußbotschaft zur Jahreshauptversammlung des vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften „Schulvereins zur Förderung der Rußlanddeutschen in Ostpreußen e.V. “ am 20./21. April 1996 hat der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Michael Glos, beigesteuert. Schon 1993 hatte der Verfassungsschutz in Schleswig-Holstein gewarnt, daß der Verleger Dieter Munier „wie auch andere Rechtsextremisten mit der Förderung deutscher Minderheiten das Ziel verfolgen, Gebietsansprüche zu untermauern“. Dazu diene auch der „Schulverein“. In diesem Umfeld ist auch der Neonazi Manfred Roe der aktiv. Das Bundesinnenministerium gab öffentliche Hinweise auf den rechtsextremen Hintergrund des „Schulvereins“, so in der Antwort auf eine Anfrage der Abgeordneten Annelie Buntenbach (Die Grünen) am 22. Februar 1996.

Glos hatte geschrieben, der Verein knüpfe „an deutsche Traditionen in der Region an und halte so die Geschichte lebendig. Sie leisten einen Beitrag zur Förderung und Bewahrung des kulturellen Erbes der Rußlanddeutschen“. Der „Brückenschlag zwischen den Völkern“ sei „besonders begrüßenswert“. All diese Aspekte ließen das Engagement des Vereins „besonders hilfreich“ erscheinen. Das Grußwort des CSU-Politikers wurde auch in Muniers Schrift „Aktion deutsches Königsberg“ veröffentlicht.

Glos ließ erklären, vor dem Grußwort für den 20./21.April 1996 habe er beim Auswärtigen Amt und beim Innenministerium nachfragen lassen; der Verein sei dort „nicht als rechtsextremistisch“ eingestuft worden. Grußbotschaften an den rechtsextremen Schulverein haben ferner der sächsische Justizminister Steffen Heitmann (CDU), Heinrich Lummer (CDU), Gebhard Glück (CSU), Jörg Haider (Österreich) und die Professoren Ernst Nolte, Lothar Bossle, Dieter Blumenwitz und Werner Maser gerichtet. Copyright © 1997 - Süddeutsche Zeitung. SZonNet 3.1
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