DER STANDARD, Freitag, 12.Dezember 1997

„Humanitäre“ Unterstützung für Roeder

Berlin – In Deutschland tauchen immer mehr Details zur „Affäre Roeder“ auf. Das Verteidigungsministerium bestätigte am Donnerstag, daß der zu 13 Jahren Haft verurteilte Rechtsterrorist Manfred Roeder mit vollem Namen ausgemusterte Fahrzeuge der Bundeswehr beantragt hat. Verteidigungsminister Volker Rühe hatte zuerst behauptet, aus dem Antrag sei nicht hervorgegangen, daß hinter dem Verein „Deutsch-russisches Gemeinschaftswerk“ Roeder stecke. Am Mittwoch hatte der CDU-Politiker eingeräumt, daß auf einer Faxkennung Roders Name auftauche.

Fax mit Reichsadler

Obwohl auf dem Antrag der preußische Reichsadler mit dem Schriftzug „Jedem das Seine“ prangt, bekam Roeder kostenlos vier Fahrzeuge für „humanitäre Zwecke“ zur Verfügung gestellt. Bekannt wurde weiters, daß das Finanzamt im hessischen Schwalmstadt Roeders Organisation kurzzeitig sogar die Gemeinnützigkeit zuerkannt hatte, weshalb Spenden für sie sogar von der Steuer abgesetzt werden konnten. Unterdessen wurden in einer bayerischen Kaserne ein Waffenlager ausgehoben und Anleitungen zum Basteln von Rohrbomben sichergestellt.

Die Bundestagsfraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen wollen mit ihrer Mehrheit heute, Freitag, die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses beschließen. Rühe möchte rechtsextreme Tendenzen in der Bundeswehr lieber von einer Kommission untersuchen lassen. (afs)

1997 DER STANDARD