FR v. 11.12.97

"Nicht radikal, aber unsensibel"
Oberst soll Reichskriegsflagge bei Soldaten geduldet haben

Von Eckhard Stengel

< BREMEN, 10. Dezember. Der Kommandeur einer Münchner Ausbildungsstätte für Offiziere soll 1992 geduldet haben, daß in zwei Soldatenstuben Reichskriegsflaggen hingen, wie sie vor allem von Rechtsextremisten verwendet werden. Diesen Vorwurf hat jetzt der Sprecher des kritischen Soldatenarbeitskreises "Darmstädter Signal", Oberstleutnant a. D. Helmuth Prieß, erhoben. Der beschuldigte Oberst Dirk von Grone nannte die Vorwürfe am Mittwoch "gelogen, absurd und auf den Kopf gestellt".

Von Grone, heute Standortältester in Bremen, kommandierte damals die Münchner Außenstelle der Offiziersschule des Heeres. Nach Darstellung von Prieß sollen sich zwei Offiziersschüler bei ihren Vorgesetzten und letztlich auch bei von Grone erfolglos darüber beschwert haben, daß zwei Kameraden in ihren Stuben Reichskriegsflaggen aufgehängt hätten. Erst eine weitere Beschwerde beim Heeresamt in Köln habe Erfolg gehabt: Die Behörde habe angeordnet, die Fahnen zu entfernen.

Der später zum Oberst beförderte von Grone versicherte der Frankfurter Rundschau am Mittwoch, das Heeresamt sei nicht eingeschaltet worden. Lediglich ein Fahnenjunker habe eine solche Flagge gehabt, so der 56jährige. Als Kommandeur habe er "sofort befohlen, sie zu entfernen", denn Soldaten müßten Distanz halten gegenüber "allem, mit dem sich Extremisten schmücken". In "Radio Bremen" äußerte von Grone eine andere Version: Es sei nie eine Flagge gezeigt worden.

Prieß blieb auf Nachfrage bei seiner Darstellung. Als Oberstleutnant im Heeresamt habe er selbst ein Schreiben von Grones gesehen, in dem dieser die Flagge verteidigt habe. Der damalige Kommandeur sei zwar nicht rechtsradikal, aber unsensibel.

Während das Heeresamt am Mittwoch noch überprüfte, ob es damals einen solchen Vorgang gab, meinte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bereits, "nach derzeitigem Erkenntnisstand" sage Prieß die Unwahrheit. Diese Einschätzung basiere auf den Aussagen von Grones. Der Fall werde gleichwohl untersucht, denn die Reichskriegsflagge habe "in der Bundeswehr nichts verloren". Die Bremer Grünen forderten unterdessen die Suspendierung von Grones.

Mehrere Bundesländer hatten 1993 beschlossen, das Zeigen der Fahne als Verstoß gegen die öffentliche Ordnung zu verfolgen. Das Oberverwaltungsgericht in Münster bewertete ein Jahr später das demonstrative Zurschaustellen als Volksverhetzung.

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