DER STANDARD, Dienstag, 9.Dezember 1997

Skandal um Neonazi vor der Bundeswehr

-Korrespondentin Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin

Die Skandale mit rechtsextremem Hintergrund in der deutschen Bundeswehr reißen nicht ab. Wie am Wochenende bekannt wurde, lud die Hamburger Führungsakademie der Bundeswehr den mehrfach verurteilten deutschen Rechtsextremisten Manfred Roeder vor zwei Jahren zu einem Vortrag ein. Roeder referierte über die „Übersiedlung von Rußlanddeutschen in den Raum Königsberg“.

Verteidigungsminister Volker Rühe kündigte nun rasche personelle Konsequenzen an. Der CDU-Politiker verteidigte jedoch die einladende Akademie-Führung: „Wenn sie das nicht gewußt haben, ist das nicht so schlimm, wie wenn sie damit sympathisiert hätten.“

Roeder zählt zum harten Kern der Neonaziszene in Deutschland, wird vom Verfassungsschutz beobachtet und ist einer breiten Öffentlichkeit wegen der gegen ihn angestrengten Prozesse bekannt. Der heute 68jährige wurde wegen Sprengstoffanschlägen, versuchter Anstiftung zum Mord und Rädelsführerschaft in einer rechts_ter_ro_ri_sti_schen Vereinigung zu insgesamt 13 Jahren Haft verurteilt. Anfang der siebziger Jahre hatte der Rechtsanwalt das Vorwort zu dem heftig umstrittenen Buch „Die Auschwitz-Lüge“ geschrieben.

Rücktritt gefordert

Die SPD will eine aktuelle Stunde im Bundestag beantragen. SPD-Politiker stellten außerdem öffentlich die Frage, ob Verteidigungsminister Rühe nicht zurücktreten sollte. Bundeskanzler Helmut Kohl regierte darauf mit der Aussage, er habe jedes Zutrauen, daß Rühe richtig reagieren werde. In den vergangenen Wochen waren unter anderem ausgestellte Hakenkreuzorden, ein in einer Kaserne gedrehtes Neonazivideo und illegale Waffenlager bekannt geworden.

1997 DER STANDARD