taz v. 08.12.97
Feldzug gegen "sittlichen Verfall"
Manfred Roeder, der notorische Rechtsextremist, widmet sich zur Zeit dem nicht nur ideologischen Kampf gegen die Wehrmachtsausstellung

Sichtlich stolz ist der sechsfache Vater Manfred Roeder darauf, daß seine "beiden Ältesten" in der Bundeswehr gedient haben. Empört zeigt sich der hessische Rechtsextremist darüber, daß diese nicht Offizier werden durften - "wegen des Vaters". Dies kann Roeder (68), der mit 15 Jahren der jüngste reguläre Wehrmachtssoldat gewesen sein will, überhaupt nicht verstehen. Denn, so Roeder, der seine schulische Ausbildung in einer "National-Politischen Erziehungsanstalt" (Napola) und später in einem der SS zugeordneten Internat genoß: "Ich bin kein Rechter, bin ich nie gewesen."

Im bundesdeutschen Rechtsextremismus ist Roeder seit nunmehr zwei Jahrzehnten eine treibende Kraft. 1971 gründete der 1929 in Berlin geborene Rechtsanwalt die "deutsche Bürgerinitiative" (DBI), der er bis heute vorsteht. Zuvor engagierte er sich an Kampagnen gegen Pornographie und gegen die Liberalisierung des Sexualstrafrechts. In der DBI-Satzung ist als Ziel angegeben, sie erstrebe "eine Erneuerung unserer Staats- und Sittenordnung" und will "den sittlichen Verfallserscheinungen entgegentreten".

Bundesweit machte Roeder als Rädelsführer der 1980 gebildeten terroristischen Vereinigung "Deutsche Aktionsgruppen" (DA) auf sich aufmerksam, die mehrere vor allem gegen Ausländer gerichtete Bombenanschläge durchführte. Dabei waren am 22.August 1980 bei einem Brandanschlag auf ein Übergangsheim für Flüchtlinge in Hamburg zwei Vietnamesen getötet worden.

Nach fünfmonatigem Prozeß wurde Roeder, Verfasser eines Vorworts zur "Auschwitz-Lüge" (Autor: SS-Mann Thies Christophersen), 1982 in Stuttgart- Stammheim zu 13 Jahren Haft verurteilt. 1990 konnte der notorische Rechtsextremist nach Verbüßung von zwei Dritteln seiner Haftstrafe vorzeitig das Gefängnis verlassen. Dies entschied der Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Zwar hielten es die Karlsruher Richter für möglich, daß Roeder mit der Verbreitung von NS-Gedankengut die Grenzen der Meinungsfreiheit auch weiterhin überschreiten werde, gingen aber davon aus, daß dieser nicht mehr versuchen werde, seine Vorstellungen mit Gewalt durchzusetzen.

Kaum aus dem Gefängnis entlassen, entfaltete Roeder postwendend rechtsextreme Aktivitäten. Zugute kam ihm, daß der Kontakt zu Gesinnungskameraden während der Haft nicht abgerissen war. Noch im Jahr seiner Haftentlassung besuchte Roeder die Revisionistenveranstaltung "Wahrheit macht frei". Als Hauptagitationsfeld entwickelte er seine Aktivitäten im ehemaligen Ostpreußen, namentlich in "Herzogsrode", wo er seine Politik der "Regermanisierung" betreibt. Ziel ist die Bildung eines "Freistaates Preußen" - wenn auch dieses Ziel seit der Verhängung eines Einreiseverbots durch die russischen Behörden in weite Ferne gerückt ist.

Neben seinem "Kulturkampf" gegen die christlichen Kirchen hat sich Roeder dem Kampf gegen die Wehrmachtsausstellung verschrieben. Und dies nimmt er wörtlich. So wurde er wegen Sachbeschädigung an der Ausstellung vom Amtsgericht Erfurt zu einer Geldstrafe in Höhe von 4.500 Mark verurteilt.

Anton Maegerle

TAZ Nr. 5402 vom 08.12.1997 Seite 3 Tagesthema 97 Zeilen
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