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Geschichten vom Holocaust
von Alexander Kimel


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Überlebende

Ganz allein - Carls Geschichte
Im September 1942 lebte ich in einem französischen Kinderheim. Ich war verschreckt, einsam und voller Besorgnis. Eines Tages rief mich der Direktor zu sich und übergab mir eine Postkarte. Als ich die Schrift meines älteren Bruders erkannte, fühlte ich eine Welle der Errregung. Ein Brief von meinem Bruder. Er lebt, und ich bin nicht alleine auf dieser Welt. Vielleicht wird er bald bei mir sein? Wie werde ich ihn empfangen? Was für wundervolle Neuigkeiten!
Mein Bruder schrieb mir, daß er die Genehmigung seines französischen Waisenhauses bekommen hatte, einen kurzen Besuch bei unseren Eltern bezahlt zu bekommen, die in einem Konzentrationslager im Süden Frankreichs interniert waren. Als ich seine Worte las be neidete ich ihn. Wie sehr wollte ich an seiner Stelle sein! Wie sehr wollte ich meinen Vater sehen! Wie sehr wollte ich meine Mutter umarmen!
Unglücklicherweise war der Besuch meines Bruders nicht ganz so kurz. Er war betrogen worden, und am 11. September 1942, zwei Wochen nach seiner Ankunft, wurden mein Bruder und meine Eltern nach Auschwitz gebracht. Die Deutschen hatten eine weitere jüdische Familie zerstört. Die Postkarte war die letzte Verbindung zu meinen Lieben. Ich blieb alleine zurück. Ein neunjähriger Junge, gezwungen dem Leben allein entgegenzutreten. Ganz allein.

© Ralf P. Graf.


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© Birgit Pauli-Haack 1997